Schuld und Süh… Verantwortung

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Zu oft höre ich von Menschen, sie könnten nicht auf tierische Produkte verzichten des Geschmackes wegen oder weil sie etwas „Richtiges“ zu essen brauchen, weil sie ansonsten vom Fleisch fielen.

Nun ja, das hört sich erstmal oberflächlich irgendwie nachvollziehbar an, ist aber nicht besonders handfest, wenn man

  • all die Menschen als Beispiel nimmt, welche bestens ohne Tierprodukte leben.
  • berücksichtigt, dass es Ersatzprodukte gibt.
  • weiß, dass Geschmackszellen sich alle 25 Tage neu bilden, so dass sich Geschmack leicht umerziehen lässt.
  • beachtet, dass die primäre Energiequelle des Körpers Glukose ist welche aus Kohlenhydraten gewonnen wird.
  • bedenkt, dass es jene Menschen wahrscheinlich noch  nie den Selbstversuch durchgeführt haben.

Letzteres finde ich einen ganz wichtigen Punkt. Wir Menschen haben oft Meinungen, die auf irgendeinem Gefühl oder zusammengereimten Pseudotatsachen beruhen anstatt auf Fakten oder eigenen Erlebnissen.

Zu oft höre ich außerdem von Menschen, dass sie gleichzeitig die Missstände in der Tierhaltung auch schrecklich finden. Dagegen getan wird allerding Nichts.

Für mich sieht das dann so aus, als würde man mit reinem Gewissen dastehen wollen, da man ja den Tiermissbrauch öffentlich verurteilt, aber aus den oben genannten oder anderen Gründen die bisherige Ernährung auf jeden Fall beibehalten.

Das könnte man als klare Schuldzuweisung interpretieren: schuld sind wohl die Landwirte und die Politik, dass es den Nutztieren so schlecht geht. Das ist dann aber ein regelrechtes Abwälzen von Verantwortung. Wir leben in einer Demokratie und Marktwirtschaft. Wir wählen Politiker und Konsumartikel und haben deswegen einen wesentlichen Teil an Verantwortung inne.

Was mich auch oft wundert ist, dass es so Wenige packt. Ich meine das Verantwortungsgefühl, die Neugierde, das Entsetzen, das Mitgefühl. Mich packt es immer gleich, wenn ich irgendwo Missstände wittere und ich möchte sofort etwas dagegen tun oder mich mindestens darüber informieren. Dagegen sehe ich bei manch anderem einen totalen Tunnelblick. Sind die Interessen einfach zu verschieden? Ist das Leben, der Alltag schon komplex genug, ohne dass man noch seine Gewohnheiten auf den Kopf stellen muss? Wo liegt der Unterschied?